„Netzwerkzukunft Macht-Mit-Strukturen, realisierbar oder Utopie?“

Einladung zu unserem nächsten Netzwerktreffen

Nach einem sehr erfolgreich verlaufenem GFK-Tag an dem unser Netzwerk 100 Teilnehmer begrüßen konnte, gehen wir weiter im Vereinsleben.

Der Lesekreis Miki Kasthan (Initiator Tomialav, Ariane, Lisi, Uta, Susann) laden herzlich ein.

18.06.2018 ab 19 Uhr in Stuttgart. Der Ort wird nach Klarheit über die Teilnehmerzahl festgelegt und bekannt gegeben

Das Buch „Reweaving our human fabric, working together to create a nonviolet future“ bietet uns die Grundlage für den Austausch.

Miki setzt sich in diesem Buch u.a. mit den „Dilemmas of leadership“ auseinander. Sie sucht einen Weg, wie wir den „social change“ in Macht-mit-Strukturen vollziehen können, ohne in alte autoritäre Strukturen abzugleiten. Aber dabei auch nicht handlungsunfähig werden vor lauter Angst gegenüber Führung. Dieser Angst widmet sie sich, indem sie sechs Mythen beschreibt, denen progressive Bewegungen oftmals erliegen.

Herzlicher Dank geht an Ariane, Tomislav und Uta, die als ÜbersetzerInnen tätig waren. Unten findet Ihr eine knappe inhaltliche Zusammenfassung. Die umfassende Version kann bei Tomislav angefragt werden.

In den Treffen haben wir uns immer wieder gefragt, welche Bedeutung haben die Mythen für unser Tun und Wirken in Bezug auf das Netzwerk. Deshalb sprechen wir mit dieser Veranstaltung ausschließlich unsere Mitglieder an und möchten in einen breiteren Austausch kommen.

Was sind die Mythen?

  1. Jeder kann einbezogen werden – Everyone can be included
  2. Das Entweder/Oder von Entscheidungsfindungen – The either/or of decision-making
  3. Hierarchie für bösartig erklären – The maligning of hierarchy 
  4. Verbindung übertrumpft alles – When connection trumps everything
  5. Die Bedürfnisse aller sind gleichwertig – All of everyone`s needs are equal 
  6. Einseitige Entscheidungen zu treffen ist immer schlecht – Unilateral Choice is always negative

Zu 1. Jeder kann einbezogen werden

Wir können keinen Raum schaffen, indem jeder einbezogen ist, zumindest nicht unter gegenwärtigen Bedingungen: Es geht darum, unsere Begrenzungen anzuerkennen in Bezug auf Toleranz, Geduld, Aufmerksamkeit. sodass es ehrlicher ist, diese Grenze auch auszusprechen. Als Leiter, Organisatoren und Mitglieder einer Gruppe haben wir begrenzte Ressourcen. Auch wenn es so erscheint, dass wir den Traum aufgeben, wenn wir entscheiden, Menschen draußen zu halten, scheint es mir ehrlicher zu erkennen, dass wir einfach nicht genügend Liebe und Aufmerksamkeit bereit stellen können für Menschen in ernsthaften Nöten. Es ist nicht die Schuld der anderen Leute, sondern unsere eigenen Begrenzungen, die es notwendig machen, jemanden auszuschließen,……

Thema für unser Netzwerk könnte sein: Brauchen wir Kriterien für Aufnahme  von Mitgliedern? Welche Regularien haben wir für den Fal,l dass unsere Gemeinschaft an ihre Grenzen kommt?

Zu 2. Das Entweder/Oder von Entscheidungsfindungen

Warum geschieht Veränderung …… so langsam? Damit ist eine bestimmte Version von Teilnahme gemeint, an der jeder in allen Entscheidungen teilhat. In diesem Verständnis machen wir entweder den Kompromiss, dass Dinge vorangehen und entscheiden einfach oder wir sagen ja zu dem Ideal von Macht-mit, dem Herzstück dieser Version der Demokratie: : niemand kann einem anderen irgendetwas aufzwingen.

Weil ich sehr dafür einstehe, alles zu tun, dafür beizutragen zu einer Welt, in der die Bedürfnisse von allen zählen, bin ich natürlich eine Kandidatin, die an Partizipation glaubt auf allen Stufen. Gleichzeitig weiß ich, dass es in kleineren Gruppen sehr ermüdend sein kann, in allen Entscheidungen einen Konsens zu finden. Ich suche Methoden und Prozesse, die menschliche Bedürfnisse berücksichtigen auf allen Stufen, die gangbar und effizient sind.

Was also können wir tun, um Vorankommen zu ermöglichen und gleichzeitig jeden mit Fürsorge im Blick zu behalten? Es möglich zu machen für jeden, teilzunehmen in der Diskussion/den Themen, die sie interessieren und gleichzeitig zu akzeptieren, wenn andere andere Themen entscheiden. Wenn man weiß, dass man mitreden könnte, aber nicht muss, ist man oft auch zufrieden damit, es nicht zu tun. Weil wir Bedürfnisse und Strategien trennen können, können wir eine Liste von Kriterien erarbeiten, die wichtig sind für die Entscheidung, ohne dass jeder für seine Position eintreten muss.

Thema für unser Netzwerk ist schon: Wie treffen wir Entscheidungen?

Zu 3. Hierarchie für bösartig erklären

Ethymologisch heißt Hierarchie „the rule of the sacred“ - die Herrschaft/die Richtlinie der Heiligen. Es hat nichts zu tun mit menschlichem Ranking, Status oder Macht. Das Oxford English Dictionary sagt: Im frühesteren gemeinten Sinne war es das „System von Ordnung der Engel und anderen Himmelwesen“. Inzwischen, nach allem was die Geschichte mit der Bedeutung dieses Wortes verband, ist das Wort eine Beschreibung von Macht-über Systemen

Macht definiere ich einfach als die Fähigkeit, Ressourcen zu mobilisieren und auf Bedürfnisse auszurichten. Das macht sie neutral und außerdem notwendig. Diese Definition trennt Macht von der Weise, wie sie gebraucht wird. Entgegen unserer generellen Sprache ist Macht-Über nicht etwas, das wir haben. Es ist etwas, das wir tun. Es ist unsere Wahl darüber, wie wir Macht nutzen, die wir haben.

Als ich die „Sociokratie“ kennenlernte, hatte ich diesen „Aha-Effekt“. Sie beinhaltet ein Regierungssystem genauso wie spezielle Entscheidungsprozess Strukturen. Es beinhaltet funktionale Hierarchien, die so geschaffen sind, dass die funktionalen Führer nicht die strukturelle Macht haben, die ihnen erlauben könnte, Macht über andere einzusetzen. Diese Mechanismen sichern sogar den Menschen ganz am Ende der funktionalen Hierarchie zu, etwas beitragen zu können bei den wichtigsten Entscheidungen der Organisation.

Thema für unser Netzwerk könnte sein: Wo stehen wir diesbezüglich? Brauchen wir Veränderungen in unserer Organisationsstruktur?

Zu 4. Verbindung übertrumpft alles

Oft genug scheuen diejenigen, die eine Gruppe leiten könnten, aus Angst als jemand gesehen zu werden – ob von anderen oder von einem selbst – der das Ideal von Macht-mit Leadership verrät, davor zurück, die genannten Entscheidungen zu treffen. Andere, frustriert vom stockenden Verlauf und hilflos es zu ändern, könnten Entscheidungsbereitschaft und „Weitergehen“ befürworten, und am Ende Macht-über-Modelle schaffen. In vielen solchen Gruppen schrecken Leute davor zurück Facilitator zu sein, oder minimieren die Rolle des Facilitators zu einem schmalen prozeduralen Teil, um keine Notwendigkeit zu haben, solche Entscheidungen treffen zu müssen. Das Entweder/Oder-Schema wird verstärkt: Entweder vollbringen wir Dinge ohne Macht zu teilen, oder wir teilen Macht ohne Dinge zu vollbringen.

Es ist wichtig, zwischen Empatiekreisen und Aktionskreisen unterscheiden. Der Unterschied zwischen beiden liegt im Zweck, nicht darin wer da ist – die gleiche Gruppe von Leuten kann manchmal als Empathiekreis zusammenkommen und manchmal als Aktionskreis. Eine ihrer klaren Empfehlungen an Leute, die zusammenkommen um etwas geschehen zu lassen – Treffen zu haben, die rein für Verbindungsaufbau und Empathie da sind.

Thema für unser Netzwerk könnte sein:

Wollen wir uns auf Vereinbarungen verständigen?

Zu 5. Die Bedürfnisse aller sind gleichwertig

Eines meiner zentralen Prinzipien ist das Commitment, das Einverständnis, die Bedürfnisse aller mit Sorgfalt im Blick zu haben. Dieser besondere Fokus, die Bedürfnisse aller im Blick zu haben, ist die Leitlinie, für die Ausrichtung der Macht, die ich habe. Solange die Menschen in meiner Gruppe oder Organisation mit weniger Macht als ich, Zugang zu einer Wahl haben, bin ich zufrieden mit dem Gebrauch meiner Macht.

In der Tat glaube ich, dass das Bestehen auf Gleichberechtigung in diesem Fall die Effektivität und Integrität von Bewegungen und Gruppen beeinträchtigen kann.

Macht-Mit bedeutet also, den Weg zu finden, bezogen auf den Zweck, den eine Sache/eine Gruppe hat, die größtmögliche Ermächtigung und Teilhabe aller zu fördern.

Zu 6. Einseitige Entscheidungen zu treffen ist immer schlecht

Heute kann ich erkennen, dass es Situationen geben kann, wo es wichtig ist, einseitige Entscheidungen zu treffen, sogar einseitig Macht auszuüben, wenn ich glaube, dass diese Entscheidung in einer Situation ein Maximum an Bedürfnissen erfüllt.

Gewaltloser Widerstand = Erweiterung von schützendem Einsatz von Macht, angewandt auf eine eine Struktur betreffende Situation. Die Kraft einer Gruppe von Menschen nutzen um Bedingungen zu schaffen, die dafür sorgen, dass Schaden aufhört und gleichzeitig dialogbereit bleiben.

Moderation/Gruppenleitung:

Die Kunst Ermächtigung und Teilnahme in einer Gruppe zu unterstützen

Erfordert oft einseitige Entscheidungen zu treffen, manchmal sogar gegen Widerstand umzusetzen.

Die Integrität einer Gemeinschaft bewahren

Jede Gruppe, Gemeinschaft oder Organisation funktioniert langfristig besser, wenn es klare Vereinbarungen gibt, wie mit Konflikten umgegangen wird wenn (nicht falls!) sie entstehen.

Mit Liebe ausschließen

Es bedeutet, die Gruppe vor den Auswirkungen der Handlung dieser einen Person schützen zu können.

Thema für unser Netzwerk könnte sein: Welche Funktion und Gestaltungsmöglichkeiten haben/bekommen  Moderatoren?

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